Bergretter Dave im MioMedico-Interview

Was sollte man beim Wandern oder Klettern in den Bergen beachten?

Interview mit David Holmes, Bergretter im Schwarzwald

Sei es der Wanderurlaub im Schwarzwald, der Skiurlaub in der Schweiz oder einfach ein Wochenendausflug ins nächste Gebirge. Wandern und Skifahren gehören nach wie vor zu den beliebtesten Hobbies der Deutschen. Aktiv-Urlauber und Outdoor-Liebhaber verbringen ihre Freizeit am liebsten in den Bergen.

Aber was sollte man beachten, wenn man zum Wandern oder Klettern in die Berge geht? Dazu durften wir ein Interview mit Bergretter Dave führen. Welches prägende Erlebnis ihn zur Bergrettung gebracht hat und, warum ein Kompass in seinem Rucksack nicht fehlen darf, wenn er in die Berge geht, erklärt Dave euch in folgendem Interview:

Wer bist du? 

Mein Name ist David, ihr könnt mich gerne auch Dave nennen. Ich komme aus Australien und bin seit 2017 Mitglied der Bergwacht Schwarzwald in der Ortsgruppe Sulzburg. Nach absolvierter Fortbildung in 2020 bin ich mittlerweile Mitglied der Schnelleinsatzgruppe.

 Bergretter im tiefen Schnee

 

Wie groß ist euer Rettungs-Team?

Unsere Ortsgruppe besteht aus etwa 60 Mitgliedern, wovon 30 aktive Einsatzkräfte sind. Insgesamt gliedert sich die Bergwacht Schwarzwald in 22 Ortsgruppen zwischen Pforzheim und Istein und hat über 1.450 Mitglieder, davon sind 650 aktiv im Einsatz.

  

Wie viele Einsätze gibt es pro Jahr? Was sind die häufigsten Einsätze?

Die Anzahl der Einsätze variiert von Jahr zu Jahr und hängt auch von den Wetterbedingungen und dem Freizeitverhalten der Menschen ab. In der Regel haben wir im gesamten Schwarzwald ca. 1.500 Einsätze pro Jahr. Die häufigsten Einsätze sind ganz klar Skiunfälle.

 

Was hat dich motiviert, zur Bergrettung zu gehen bzw. Bergretter zu werden?

Mich hat die Möglichkeit gereizt, anderen Menschen in Not zu helfen und dabei in der Natur zu arbeiten. Das ist für mich als Outdoor-Liebhaber die perfekte Kombination. Ich finde es vor allem motivierend, eine Freizeitbeschäftigung zu haben, bei der man sich selbst weiterentwickeln und Menschen helfen kann.

 Kletterübung der an der Felswand

 

Gibt es ein besonderes Erlebnis, was dich begleitet?

Ein besonderes Erlebnis, das mich begleitet, war in 2010, lang bevor ich Bergretter war. Ich war Wildwasser-Raften in Interlaken und ein Mann ging über Bord, ich habe reflexartig zugegriffen und ihn wieder ins Boot gezogen. Damit haben wir zum Glück eine aufwändige Rettung mit potentialer Suchaktion und Notfallbehandlung vermieden. Das berauschende Gefühl, so schnell helfen zu können, werde ich nie vergessen.

 

Was ist das Wichtigste, was du in der Bergrettung gelernt hast?

Definitiv die Bedeutung von Teamwork und einer guten Kommunikation. Jeder Einsatz erfordert nicht nur körperliche Fitness und technische Kenntnisse, sondern ein gemeinsames Vorgehen und eine gute Absprache untereinander, um effektiv und vor allem schnell helfen zu können.

 

Auf was sollte man achten, wenn man in die Berge bzw. zum Klettern geht? 

Beim Bergsteigen und Klettern sollte man unbedingt auf eine gute Ausrüstung achten und diese regelmäßig überprüfen. Gute Orientierung ist wichtig, um nicht vom Weg abzukommen. Was nicht fehlen darf, ist ein Erste-Hilfe-Set und -je nach Tour- die richtige Notfallausrüstung wie z.B. einen Lawinenrucksack bei einer größeren Skitour.

 

Was sollte man gerade zur kalten Jahreszeit besonders beachten beim Wandern/Klettern in den Bergen? 

Gerade bei kalten Temperaturen ist es wichtig, auf die Wetterbedingungen zu achten und sich entsprechend warm anzuziehen. Das altbekannte Zwiebelprinzip ist eine sehr effektive Bekleidungsstrategie: Dabei trägt man mehrere dünne Kleidungsschichten übereinander, die je nach Bedarf an- oder ausgezogen werden können.

 Bergretter Dave zeigt die Rettungsdecke, unverzichtbar in der ersten Hilfe

 

Was sollte man auf jeden Fall mitnehmen in die Berge? 

Wenn ich privat in den Bergen unterwegs bin, nehme ich immer ein Erste-Hilfe-Set mit einer Rettungsdecke mit. Eine Rettungsdecke kann nicht nur als schneller Kälteschutz, sondern auch als Schiene oder sogar als Tragehilfe verwendet werden. Im Falle eines Notfalls muss der Rettungsdienst erstmal alarmiert werden, die Einsatzstelle orten, anfahren und den Einsatz koordinieren. Es kann also eine Weile dauern, bis die ersten Rettungskräfte eintreffen. Mit einer Rettungsdecke kann man sich vor einer schnellen Unterkühlung schützen und ein gut ausgestattetes Erste-Hilfe-Set ermöglicht die ersten medizinischen Behandlungen.

Was wir natürlich nicht vergessen dürfen, ist, immer ausreichend Wasser und Verpflegung mitzunehmen, sowie ein Mobiltelefon. Das ist ganz wichtig! Und seid immer mindestens zu zweit, wenn ihr in die Berge geht!

 

Was sollte man auf keinen Fall tun beim Gang in die Berge?

In den Bergen sollte man auf keinen Fall unvorbereitet oder alleine unterwegs sein. Auch sollte man die eigenen Fähigkeiten realistisch einschätzen und gegebenenfalls auf eine schwierigere Route verzichten.

 

Was würdest du sagen ist der wichtigste Inhalt in unserer Outdoortasche für einen Ausflug in die Berge?

Alle Inhalte sind wichtig. In meinem Rucksack ist auf jeden Fall immer ein Erste-Hilfe-Set mit Rettungsdecke, eine Trinkflasche und ausreichend Verpflegung enthalten. Je nach Jahreszeit und Art der Aktivität kann die Ausrüstung natürlich variieren.

 

Hast Du etwas Besonderes oder Außergewöhnliches immer in deinem Gepäck, wenn Du in die Berge gehst bzw. im Dienst bist?

Wenn ich im Dienst bin, habe ich immer auch eine Landkarte und einen Kompass dabei. Das mag „altmodisch“ sein, da man heutzutage kann viele Routen mit Handys und Apps planen und navigieren kann, aber man hat nicht immer Funk oder ausreichend Akku. Zusammen mit guter Ortskenntnis und Planung, sind diese Hilfsmittel manchmal sehr hilfreich.

 

Wir freuen uns über diese spannenden Einblicke in den Alltag eines echten Bergretters. Danke, Dave, für deine Zeit und deine spannenden Erzählungen!

 

Übrigens: Dave ist nicht nur Bergretter, sondern auch leidenschaftlicher Kletterer. 2010 hat er sogar sein eigenes Unternehmen gegründet, das auf Gadgets und Pflegeprodukte für Kletterer spezialisiert ist. Und wie sollte so ein Unternehmen anders heißen als „KletterRetter“? Schauen Sie gerne mal vorbei. Die Handcreme wirkt wahre Wunder!
(Link:
https://www.kletterretter.com)

 

Was darf bei Ihnen auf einem Ausflug in die Berge auf keinen Fall fehlen? Haben Sie Ihr Erste-Hilfe-Set immer dabei? Wir freuen uns auf Ihre Antworten in den Kommentaren!

 

 

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