Insektenstich: Was tun bei allergischer Reaktion?

Insektenstich: Was tun bei allergischer Reaktion?

Insektenstiche sind unangenehm, aber für viele von uns nichts weiter als eine lästige Kleinigkeit. Doch was, wenn sich eine allergische Reaktion einstellt? 

Bei Kindern können allergische Reaktionen besonders schwerwiegend sein und auch Outdoor-Enthusiasten haben durch die viele Zeit in der Natur ein höheres Risiko, betroffen zu sein.

Da solche Reaktionen schnell lebensbedrohlich werden können, erfährst Du hier, wie Du eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich erkennst und richtig handelst.

Was ist eine allergische Reaktion?

Eine allergische Reaktion tritt auf, wenn das Immunsystem überempfindlich auf einen Fremdstoff reagiert – in diesem Fall auf das Gift eines Insekts. Diese Reaktionen können von milden Symptomen wie Juckreiz und Schwellungen bis hin zu schweren Symptomen wie Atemnot und einem anaphylaktischem Schock reichen.

Symptome einer allergischen Reaktion

Eine allergische Reaktion auf einen Insektenstich, aber auch auf andere Allergene (Schmerzmittel, Antibiotika oder Lebensmittel, wie z. B. Erdnüsse oder Meeresfrüchte) erkennst Du häufig an den folgenden typischen Anzeichen:

  • Lokale Reaktionen: Starke Rötung und Schwellung an der Einstichstelle.
  • Systemische Reaktionen: Juckreiz, Nesselsucht oder Ausschlag, der sich über den ganzen Körper ausbreitet.
  • Atemprobleme: Kurzatmigkeit, Engegefühl in der Brust oder Keuchen.
  • Schwellungen: Vor allem im Gesicht, an den Lippen, Zunge oder Rachen.
  • Magen-Darm-Symptome: Übelkeit, Erbrechen, Durchfall.
  • Schwindel und Ohnmacht: Ein Gefühl der Benommenheit bis hin zu Bewusstlosigkeit.

Sofortmaßnahmen bei allergischer Reaktion

Wenn Du selbst oder jemand in Deiner Nähe nach einem Insektenstich eine allergische Reaktion zeigt, ist schnelles Handeln gefragt:

  1. Ruhe bewahren: Panik verschlimmert die Situation. Atme tief ein und lang aus, um Dein Nervensystem zu beruhigen. Beruhige gegebenenfalls auch die betroffene Person. Wenn Du selbst tief, ruhig und hörbar atmest, kannst Du sie so co-regulieren. 
  2. Notruf absetzen: Rufe umgehend die 112 an, besonders bei Atemproblemen oder Bewusstseinsverlust.
  3. Adrenalin-Autoinjektor: Wenn vorhanden, sofort anwenden. Viele Menschen mit bekannten Allergien tragen einen EpiPen bei sich. Frage danach oder durchsuche die Taschen der betroffenen Person, wenn diese nicht ansprechbar ist.
  4. Liegen und Beine hochlagern: Das verbessert die Durchblutung und unterstützt so das Immunsystem.
  5. Kühlen: Die Einstichstelle mit einem Kühlpack oder kalten Kompressen kühlen, um Schwellungen zu reduzieren.

Langfristige Vorsorge

Wenn Du weißt, dass Du oder Deine Kinder auf Insektenstiche allergisch reagieren, kannst Du Dich ärztlich zu folgenden Möglichkeiten beraten lassen:

  1. Allergietests: Ein Allergologe kann spezifische Tests durchführen, um die Allergie zu bestätigen und die Schwere der Reaktion zu bestimmen.
  2. Desensibilisierung: Eine Immuntherapie (Desensibilisierung) kann helfen, die Empfindlichkeit gegenüber Insektengiften zu reduzieren.
  3. Notfallset: Ein Notfallset, das neben einem Adrenalin-Autoinjektor auch Antihistaminika und Kortison enthält, sollte stets griffbereit sein.

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Insektenstichen vorbeugen

Der beste Schutz vor allergischen Reaktionen ist, Stiche von vornherein zu vermeiden. Hier sind einige praktische Tipps:

  • Kleidung: Dunkle Farben locken Insekten an. Trage deshalb möglichst helle, langärmelige Kleidung und lange Hosen.
  • Duschen: Insekten, wie Mücken, werden auch von Schweißgeruch angezogen. Deshalb lohnt es sich, vor einem lauen Sommerabend an der frischen Luft, duschen zu gehen.
  • Insektenschutzmittel: Verwende Insektensprays, die den Wirkstoff Icaridin enthalten, um Insekten abzuhalten. Achte bei Kindern darauf, dass die Produkte speziell für Kinder geeignet sind. Insektensprays sollten niemals in die Augen gelangen. Wichtig ist zudem, sie regelmäßig anzuwenden, da ihre Wirkung mit der Zeit nachlässt.
  • Vermeide Duftstoffe: Parfüms und duftende Lotionen locken Insekten an.
  • Achtsamkeit beim Essen und Trinken: Decke Getränke und Speisen im Freien ab und überprüfe Gläser und Dosen vor dem Trinken. Trink am besten durch einen nachhaltigen Strohhalm, beispielsweise aus Glas.

Was tun nach einem Insektenstich?

Auch wenn keine Allergie bekannt ist und keine Symptome einer Allergie auftreten, können Insektenstiche unangenehm sein. Hier einige Tipps zur Erstversorgung:

  • Stachel entfernen: Bei Bienenstichen den Stachel vorsichtig mit einer Pinzette entfernen. Dabei die Pinzette möglichst dicht an der Haut ansetzen, denn am Ende des Bienenstachels sitzt die Giftblase.
  • Desinfizieren: Die Einstichstelle mit einem Wunddesinfektionstuch, einer Lösung oder einem Spray desinfizieren.
  • Kühlen: Eine kalte Kompresse oder ein Kühlpack kann helfen, die Schwellung zu reduzieren. Bei einem Stich im Mund- oder Rachenraum von außen kühlen.
  • Salben: Antihistaminika-Cremes (z. B. Fenistil) oder Hydrokortison-Salben (z. B. Ebenol) sowie kühlende Gels (z. B. Combudoron) lindern den Juckreiz und die Schwellung.
  • Thermische Behandlung: Auch ein thermischer Stichheiler (z. B. heat it®, bite away®) kann Juckreiz und Schwellung zuverlässig lindern. Bei Kindern sollten diese allerdings erst ab 3 Jahren eingesetzt werden.

Bei klassischen Mückenstichen gibt es außerdem einige nützliche Hausmittel, die Du garantiert in Deiner Küche findest. Wir haben sie Dir hier zusammengefasst.


Wann zum Arzt?

Bei ungewöhnlich starken Reaktionen, die über die normale Schwellung und Rötung hinausgehen, solltest Du unbedingt in die Arztpraxis gehen. Dies gilt besonders bei folgenden Symptomen:

  • Ausgedehnte Schwellung: Wenn ganze Gliedmaßen anschwellen.
  • Anhaltende Symptome: Wenn Juckreiz und Schmerzen länger als ein paar Tage anhalten.
  • Entzündung und Rötung: Wenn der Stich innerhalb von 14 Tagen eine Entzündung oder Rötung aufweist, die strichförmig herzwärts wandert.
  • Infektionszeichen: Wenn allgemeine Symptome einer Infektion auftreten, wie beispielsweise Fieber, Abgeschlagenheit, schlechter Allgemeinzustand oder auch Trinkschwäche bei Kindern.

Häufige Fragen (FAQs)

  • Wie schnell zeigt sich eine allergische Reaktion?
    Die Symptome können innerhalb weniger Minuten bis zu einer Stunde nach dem Stich auftreten.
  • Kann eine allergische Reaktion auch verspätet auftreten?
    Ja, in seltenen Fällen kann eine allergische Reaktion auch nach mehreren Stunden oder Tagen auftreten.
  • Sollte ich immer einen EpiPen bei mir tragen?
    Wenn bei Dir oder Deinen Kindern bereits eine allergische Reaktion diagnostiziert wurde, ist es ratsam, immer einen EpiPen dabei zu haben.
  • Können Kinder eine allergische Reaktion entwickeln, auch wenn sie vorher keine hatten?
    Ja, Allergien können sich jederzeit entwickeln, auch ohne vorherige Reaktionen.

Weitere Ressourcen


Insektenstiche können besonders im Sommer ein lästiges und teilweise gefährliches Problem darstellen. Durch präventive Maßnahmen, wie das Vermeiden von hektischen Bewegungen und das Tragen geeigneter Kleidung, lassen sich viele Stiche verhindern. Wenn dennoch ein Stich auftritt, ist es wichtig, die richtige Behandlung zu kennen und allergische Reaktionen frühzeitig zu erkennen. 

Für Menschen mit bekannten Allergien ist es unverzichtbar, stets ein Notfallset bei sich zu tragen und im Notfall sofort zu handeln. 

Mit unseren Tipps und Informationen bist Du gut gerüstet, um bei Insektenstichen richtig zu handeln und allergische Reaktionen zu vermeiden. 

Um im Notfall jederzeit richtig zu handeln, empfehlen wir Dir übrigens unsere MioMedico-App mit Schritt-für-Schritt-Anleitungen für die medizinisch häufigsten Notfälle oder unser robustes Booklet

So lassen sich auch beim Outdoor-Abenteuer gefährliche Situationen vermeiden und die Natur genießen.

 

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